Dread Disease: Versicherung gegen schwere Krankheiten

Sie kommen oft unerwartet und aus heiterem Himmel. Sie können ein ganzes Leben auf den Kopf stellen und im schlimmsten Fall dieses sogar beenden. Die Rede ist von schweren Krankheiten. Kann man sich davor schützen? Leider nicht vor der Erkrankung selber, aber immerhin gibt es die Möglichkeit sich und seine Angehörigen finanziell abzusichern – mit einer Dread Disease Versicherung oder auf Deutsch auch „Versicherung gegen schwere Krankheiten“ genannt.

Hierbei handelt es sich um eine Personenversicherung die in Kraft tritt, sobald eine der vorher definierten Erkrankungen beim Versicherungsnehmer diagnostiziert wird. Die Versicherungssumme wird nach einer kurzen Karenzzeit in einer Summe ausbezahlt.

Geschichtliches

Die Geburtsstunde schlug in den 80er Jahren, genauer gesagt im Jahre 1983. Marius Barnard, seinerzeit Herzchirug in Südafrika, führte die erste menschliche Herztransplantation durch und machte sich Gedanken wie man Patienten noch anderweitig helfen könnte, die ernsthaft erkrankt sind. Zur damaligen Zeit bedeutete das noch öfter als heute starke finanzielle Einbußen für die betroffene Person und die Familie, besonders in Gebieten ohne flächendeckende medizinische Versorgung oder einer gesetzlicher Krankenkasse.

Der Grundstein für die Dread Disease Versicherung war gelegt. Seit da an verbreitete sich diese Versicherung erst über den angloamerikanischen Raum bis hin zu uns nach Europa aus. In Deutschland ist die Versicherungsform seit 1993 zugelassen und wird derzeit von einer handvoll Versicherungsgesellschaften in der konventionellen Form vertrieben, weitere Gesellschaften bieten abgespeckte Versicherungsangebote an.

Für wen ist eine Dread Disease Versicherung sinnvoll?

Die Sinnhaftigkeit einer Versicherung ist immer einzelfallabhängig und muss individuell ergründet werden. Führen wir uns noch mal vor Augen, wofür Versicherungen gedacht sind: dem Schutz im Schadensfall vor dem finanziellen Ruin für einen selber oder die Familie.

Der Schadensfall bei einer Dread Disease Versicherung lautet: die Diagnostik einer schweren Erkrankung wie z.B. Krebs oder einem Herzinfarkt. So eine Diagnose kann für einen selber sowie auch die Familie schwerwiegende Folgen haben. Der Versicherungsnehmer wird arbeitsunfähig und verliert seinen Job, der Immobilienkredit will aber weiter abbezahlt werden. Oder aber es wird Geld für eine spezielle medizinische Rehabilitationsmaßnahme benötigt, die von der Krankenkasse nicht übernommen wird. Die Gründe warum auf die schnelle eine hohe Geldsumme benötigt wird können vielfältig sein. Für solche Fälle ist die Dread Disease Versicherung ideal.

Fangen wir mit den Vorteilen an

Die sehr genaue Definition im Versicherungsvertrag welche Erkrankungen versichert sind, machen eine Prüfung im Leistungsfall sehr einfach: wird beim Versicherungsnehmer eine im Vertrag festgehaltene Krankheit (z.B. Alzheimer) oder Ereignis (z.B. Schlaganfall) diagnostiziert, bekommt er die Versicherungssumme ausbezahlt. Punkt. Die Karenzzeit ist hierbei ausgesprochen kurz und beträgt je nach Versicherung im Schnitt 14 Tage.

Anders als bei anderen Versicherungsformen wie der Berufsunfähigkeitsversicherung finden keine zeitaufwändigen und komplizierten Überprüfungen des Vorfalls statt.

Lohnt sich die Versicherung für mich?

Diese Frage muss jeder für sich selber beantworten. Wenn in ihrer Familie in der Vergangenheit häufiger Fälle von schweren Erkrankungen vorgekommen sind, oder man aber seine Familie im Fall der Fälle finanziell absichern möchte, sollte über den Abschluss einer solchen Police nachgedacht werden.

Gibt es Indizien ob man krank wird oder nicht?

Manche Menschen haben in ihrem ganzen Leben keine einzige Zigarette geraucht und erkranken trotzdem an Lungenkrebs, wogegen der Nachbar, der seit 60 Jahren raucht, ohne gesundheitliche Beschwerden 85 Jahre alt wird. Hier spielt das Leben leider nicht immer sehr fair. Grundsätzlich kann man sich fragen, ob in der Vergangenheit direkte Verwandte an schweren Krankheiten erkrankt sind und man somit selber dafür anfällig ist. Dies ist aber selbstverständlich nur ein möglicher Indiz!

Kann man Familienmitglieder mitversichern?

Bei vielen Versicherungsgesellschaften ist es im Leistungsumfang enthalten - oder aber gegen einen geringen Aufpreis möglich - den/die Ehepartner/in und die Kinder mit abzusichern. Läuft der Vertrag also auf den Ehemann und die Ehefrau bekommt eine schwere Diagnose, greift auch in diesem Falle die Versicherung und die Versicherungssumme wird ausbezahlt.

Besonders für Freiberufler, Führungskräfte Selbstständige interessant

Hierbei kann die einmalige Versicherungssumme helfen den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Nähere Informationen finden Sie dazu in unserem Artikel zur sogenannten Keyman Versicherung.

Für wen sich eine Dread Disease Versicherung zusätzlich lohnt

Außerdem sinnvoll ist diese Versicherungsform für Personen, die aufgrund von Vorerkrankungen oder ihrem Berufsbild in keine Berufsunfähigkeitsversicherung reinkommen, da bei der Dread Disease Versicherung die Aufnahmekriterien weniger streng sind. Aber auch hier findet eine Vorauswahl statt und gewisse Lebensumstände oder Vorerkrankungen können zur Ablehnung führen.

Fassen wir zusammen: (als Quote, mit Häkchen) - exakte Definierung der Leistungen - keine komplizierte oder langjährige Überprüfung - schnelle Auszahlung der Versicherungssumme

Welche schweren Krankheiten sind versichert?

Grundsätzlich sind nur vorher vertraglich festgehaltene schwere Krankheiten und Ereignisse (wie z.B. ein Schlaganfall) mit der Versicherung abgedeckt. Die einzelnen Krankheitsbilder können je nach Versicherungsgesellschaft stark variieren, daher ist es ratsam vor Abschluss der Police genau zu prüfen welche Erkrankung enthalten ist und welche nicht.

In der Regel sind folgende Krankheitsbilder und Ereignisse mit der Police abgedeckt:

Volkskrankheiten: Erkrankungen des Gehirns:
Übrige Krankheiten des Zentralen Nervensystems, wie z. B.:
Alterserkrankungen:
Weitere schwere Krankheiten: Auf die Vertragdetails kommt es an, denn der Teufel liegt im Detail

Mit der Dread Disease Versicherung sind sehr viele Krankheiten und Ereignisse abgedeckt, aber eben nicht alle. Sollten Sie an einer anderen, vertraglich nicht definierten Krankheit erkranken gibt es von der Versicherung keine Auszahlung. Prüfen Sie daher genau welche Leistungen abgedeckt sind und welche nicht, ehe am Ende eine böse Überraschung zu Tage kommt.

Nicht versicherbare Krankheiten

Burn-Out, Depressionen oder anderweitige psychische Krankheiten sind leider nicht versicherbar. Ebenso selbstverursachte Geschlechtskrankheiten. Auch für Rückenschmerzen hat sich leider noch kein Versicherungsanbieter gefunden. Wenn es bei Ihnen tendenziell eher in diese Richtung geht, sollte - wenn nicht schon geschehen - über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachgedacht werden, da in dieser Versicherungsform diese Erkrankungen mit einbezogen sind.

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte

Um einen Eindruck zu bekommen, welche Erkrankung in Deutschland jährlich wie oft diagnostiziert wird haben wir die folgende Infografik erstellt: Die Statistik gibt an, wie viele Menschen in Deutschland jährlich an welcher Krankheit NEU-erkranken (nicht, wie viele Menschen die jeweilige Krankheit insgesamt haben - diese Zahl ist entsprechend höher)

Statistik zu den jährlichen Erkrankungen

Anmerkung: In Deutschland leben insgesamt rund 1.500.000 Menschen mit Alzheimer & Demenz sowie 350.000 Menschen mit Parkinson.

Wie errechnet sich die Versicherungsprämie?

Die regelmäßig zu zahlende Versicherungsprämie errechnet sich wie auch bei anderen Versicherungsformen nach ganz individuellen Faktoren wie:

Ähnlich wie bei einer Lebensversicherung können Vorerkrankungen zu einer Ablehnung führen.

Eine Beispielrechnung:

Eintrittsalter Gesundheitszustand monatl. Beitrag
26 Jahre Nichtraucher 42 €
26 Jahre Raucher 63 €
31 Jahre Nichtraucher 51 €
41 Jahre Nichtraucher 80 €

Der angegebene Betrag ist der monatliche Zahlbetrag bei der Canadalife im Tarif "Schwere Krankheiten Vorsorge". Die Zahlen sind gerundet und basieren auf dem zur Verfügung gestellten Online-Rechner (Stand September 2016). Als Beispieldaten wurde eine Laufleistung bis zum 65. Lebensjahr genommen bei einer Kapitalausschüttung von 100.000 € im Leistungsfall.

Der Vergleich untereinander ist wichtig!

Die obigen genannten Zahlen sind reine Beispieldaten und dienen nur zur Veranschaulichung. Bei Interesse an einer solchen Vorsorge sollten die verschiedenen Versicherer am Markt unbedingt untereinander verglichen werden. Zu sehr unterscheiden sich die einzelnen Policen im Detail wie z.B. die mitversichertem Personen (Ehefrau / Ehemann, Kinder) oder festgehaltenen Krankheiten.

Welche Deckungssumme ist sinnvoll?

Die Höhe der Deckungssumme hängt von den persönlichen Lebensumständen ab und kann frei gewählt werden. Es sind Deckungssummen von bis zu 4 Millionen Euro verhandelbar. Dies macht aber in den wenigsten Fällen Sinn, weil dadurch die monatliche Versicherungsprämie entsprechend ansteigt. In der Regel werden Versicherungssummen zwischen 100.000 bis 200.000 € vereinbart.

Ab wann beginnt der Versicherungsschutz?

Der Versicherungsschutz gilt nach Annahme des Versicherungsantrags durch den Versicherer und der Zahlung der ersten Prämie durch den Versicherungsnehmer, frühestens aber ab dem im Versicherungsschein angegebenen Versicherungsbeginn. Der Versicherungsschutz gilt nicht rückwirkend und nicht für bestehende Erkrankungen.

Unterschiede zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Oftmals wird die Dread Disease Versicherung mit der Berufsunfähigkeits-versicherung gleichgestellt, hier gibt es aber fundamentale Unterschiede.

Bei der Dread Disease Versicherung wir die Versicherungssumme zeitnah in einer Summe ausbezahlt. Dieses Geld kann z.B. dafür genutzt werden um zu Hause notwendige Umbaumaßnahmen für barrierefreies Wohnen nach einem etwaigen Schlafanfall zu schaffen, eine spezielle medizinische Behandlung zu gewährleisten oder einen laufenden Kredit abzubezahlen.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist hingegen für die lebenslange, finanzielle Absicherung gedacht für den äußersten Fall, dass man seinen Beruf nie wieder ausüben kann. Dabei ist der Grund hier für egal: es kann sowohl eine Erkrankung oder auch einen Unfall zur Ursache haben. Bei der Berufsunfähigkeits-versicherung wird lebenslang monatlich ein individueller Betrag an den Versicherungsnehmer ausbezahlt um seine Existenz zu sichern – als Ausgleich zum Arbeitslohn.

Wer hingegen seine Familie finanziell gegen einen plötzlichen Todesfall absichern möchte, ist wiederum mit der Risikolebensversicherung am Besten bedient.

Steuerliche Aspekte

Bei den steuerlichen Aspekten muss zwischen Privatpersonen und Unternehmen differenziert werden.

Bei Privatpersonen:
Sofern Sie die möglichen Höchstbeträge (1.900 bzw. 2.800 € pro Jahr) durch andere Vorsorgeaufwendungen z.B. durch die Sozial-, Pflege- oder Krankenversicherungs-beiträge noch nicht ausgeschöpft haben, können Sie die monatliche Prämie nach § 10 EStG (Sonderausgaben) von der Steuer absetzen. Die ausgezahlte Versicherungssumme ist einkommensteuerfrei. Soll der Betrag allerdings an Dritte vererbt oder verschenkt werden, so greift die Erb- bzw. Schenkungssteuer.

Bei Unternehmen:
Bei Unternehmen handhabt sich das Ganze ein wenig leichter. Beiträge können als Betriebsausgaben geltend gemacht werden und die ggf. ausgezahlte Versicherungssumme muss als Betriebseinnahme angegeben und versteuert werden.

Kann die Versicherung jederzeit gekündigt werden?

Der Versicherungsvertrag kann jederzeit mit Einhaltung der jeweiligen Kündigungsfrist gekündigt werden. Eine Kündigung sollte aber wohl überlegt sein. Die bisher eingezahlten Versicherungsbeiträge bekommt man nämlich nicht voll erstattet, sondern immer nur eine anteilige Rückzahlung des angesammelten Guthabens (Stichwort: Rückkaufswert).

Die Alternative zur Kündigung: Beitragsfreistellung

Unerwartete finanzielle Zwischenfälle können jedem jederzeit passieren. Der wohl gravierendste Grund: der Arbeitsplatz wurde einem gekündigt. Ganz gleich ob selbstverschuldet oder nicht, wie geht es jetzt weiter? Neben der neuen Jobsuche beginnen viele damit die monatlichen Ausgaben zu kürzen. Eine hier beliebte Option ist die Beitragsfreistellung für Versicherungen und laufende Kredite.

In diesem Fall empfiehlt es sich seinen Versicherungsberater zu kontaktieren und eine Beitragsfreistellung zu vereinbaren. Dies bedeutet, dass der Versicherungsschutz weiterhin besteht, man aber vorerst über einen bestimmten Zeitraum die monatlichen Zahlungen aussetzt.

Was geschieht mit den Beiträgen, wenn kein Leistungsfall eintritt?

Das Eintreffen eines Leistungsfalles (= Erleidung einer schweren Krankheit oder eines Ereignisses) wünscht sich wohl niemand. Jeder möchte bis ins hohe Alter gesund bleiben und eines natürlichen Todes sterben. Was also passiert mit den über die Jahre eingezahlten Versicherungsbeiträgen?

Grundsätzlich sind Dread Disease Versicherungen sogenannte Risikoversicherungen. Eine Geldleistung wird also nur im Leistungsfall gezahlt. Erleidet man (glücklicherweise) keine Erkrankung, gibt es auch von der Versicherung kein Geld ausbezahlt. Ähnlich verhält es sich zum Beispiel bei der Hausrat- oder Haftpflichtversicherung: man zahlt monatlich Beiträge um im Zweifelsfall abgesichert zu sein, hofft aber, dass der Leistungsfall natürlich nicht eintritt.

Aber es gibt Ausnahmen!

Ja nach Versicherungsanbieter gibt es verschiedene Konstellationen, bei denen die Überschüsse der Beiträge in Fonds investiert werden, welche am Ende der Laufzeit wiederum ausbezahlt werden können. Da es sich dann allerdings nur um die Überschüsse handelt, ist keine große Ansammlung von Kapital zu erwarten.